Welche Strategien nutzen Kunstvermittler:innen, um kritische Vermittlung in Theorie und Praxis zu realisieren?
Eine Analyse kritischer Kunstvermittlung von 1990 bis in die Gegenwart in Wien
- Victoria Bersch
Abstract (DE)
Kritische Kunstvermittlungsprogramme schaffen innerhalb von Institutionen Räume, in denen Kunstwerke als Ausgangspunkt für einen dialogischen Austausch mit dem Publikum dienen. Ziel ist es, alternative Perspektiven zu verhandeln, bestehende Wissenskanons kritisch zu hinterfragen und neue Denkanstöße zu ermöglichen. Die Strategien solcher Programme werden von Kunstvermittler:innen entwickelt und zielen auf partizipative, inklusive und reflektierte Auseinandersetzung ab. Die vorliegende Masterarbeit untersucht, wie diese Strategien konzipiert und in der Praxis umgesetzt werden. Anhand einer qualitativen Analyse von Fachliteratur, drei leitfadengestützten Interviews mit Wiener Kunstvermittler:innen sowie ausgewählten Vermittlungsprogrammen wird die Praxis kritischer Kunstvermittlung von den 1990er-Jahren bis in die Gegenwart in den Blick genommen. Im Fokus stehen fünf zentrale Strategien: 1. Performative Gesprächsformate, 2. Perspektivenwechsel zur Kontextualisierung, und Dekonstruktion hegemonialer Bedeutungen, 3. partizipative Formate zur aktiven Einbindung marginalisierter Gruppen, 4. queerfeministische Perspektiven sowie 5. reflexive Nachbereitung zur nachhaltigen Wissensverankerung. Die Auseinandersetzung verdeutlicht, dass kritische Kunstvermittlung eine politische, dialogische und kontextgebundene Praxis ist, die gesellschaftliche Machtverhältnisse hinterfragt, kollektive Lernräume eröffnet und neue Perspektiven auf Kunst und Institution ermöglicht.
Abstract (EN)
Critical art mediation programs create spaces within institutions where artworks serve as a starting point for dialogical exchange with audiences. Their aim is to negotiate alternative perspectives, critically examine existing knowledge canons, and generate new ways of thinking. The strategies employed in such programs are developed by art mediators and focus on participatory, inclusive, and reflective engagement. This master’s thesis investigates how these strategies are designed and implemented in practice. Using a qualitative analysis of scholarly literature, three semi-structured interviews with art mediators in Vienna, and selected mediation programs, the study explores the practice of critical art mediation from the 1990s to the present. Five key strategies are central to this research: 1. performative formats of dialogue, 2. perspective-taking to contextualize and deconstruct hegemonial meanings, 3. participatory formats for the active inclusion of marginalized groups, 4. queerfeminist perspectives, and 5. reflective follow-up to ensure sustainable knowledge retention. The findings demonstrate that critical art mediation is a political, dialogical, and context-specific practice that challenges societal power relations, creates collective learning spaces, and enables new perspectives on art and institutions.
- Online lesen
- Volltext